Wieviel Hüllen können fallen? – Kleidungstipps bei Sommerhitze

Am ersten wirklich heißen Sommertag des Jahres taucht regelmäßig erneut die Frage auf: „Wie viele Hüllen können wo fallen, ohne dass es unangebracht oder gar blamabel wird?“ Hier die wichtigsten Tipps zur angebrachten Kleidung bei Sommerhitze:

  1. In allen Berufsgruppen, in denen formelle Kleidung zum guten Ton gehört – wie in Geldinstituten, Anwaltskanzleien, Steuerberatungsbüros, Versicherungsagenturen und ähnlichen Professionen – wird auch im Sommer korrektes Business-Outfit erwartet. Bauchfreie Kreationen für Frauen und kurze Hosen für Männer – um nur zwei Beispiele zu nennen – können zu falschen Rückschlüssen auf mangelnde Professionalität, Seriosität und Kompetenz führen.
  2. Auch in weniger konservativen geschäftlichen Bereichen ist Vorsicht bei der Kleiderwahl klug. Sehr leichte, freizügige Outfits bei Frauen – etwa Hotpants, Miniröcke, Sonnentops, große Dekolletés sowie die bereits erwähnte bauchfreie Mode – oder äußerst Lässiges bei Männern – zum Beispiel Achselshirts und Shorts – erweckt bei der Kundschaft vielfach einen negativen Eindruck. Oft wird in Gedanken vor „Lässiges“ ein „Nach“ gesetzt. Vertrauenswürdigkeit, Seriosität und Kompetenz verbinden die meisten Menschen, wenn auch in der Regel unbewusst, mit adäquater, mehr herkömmlicher Garderobe.
  3. Im Freizeitbereich ist es selbstverständlich eher möglich, Legeres zu tragen, ohne bei den Mitmenschen anzuecken. Dies bedeutet jedoch noch lange nicht, dass Bade- oder Strandkleidung in Einkaufsstraßen oder -passagen, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Restaurants empfehlenswert wäre. Solche Aufmachungen stören dort sehr viele, und zwar längst nicht nur besonders Konservative. Gleiches gilt für derartige Outfits auf Reisen, etwa im Flugzeug.
  4. Bei Besuchen oder Besichtigungen spezieller Stätten sowie Gebäuden, beispielsweise religiöse Bauten, Friedhöfe, Gedenkstätten und Museen – ist dies wichtig: Erkundigen Sie sich vorher, welche Gepflogenheiten oder Vorschriften dort herrschen. Solche auch durch die Wahl der Kleidung zu respektieren, beweist die notwendige Wertschätzung den Mitmenschen gegenüber – und zwar auf Reisen wie daheim.

„Hilfe – wie werde ich meine Gäste wieder los?!?“

Ein solches – in der Regel innerliches – Aufstöhnen von Gastgebenden ist meist gekoppelt mit mehr oder minder hilfreichen Aktionen. Oft versuchen sie mit versteckten Hinweisen, „Klebepflaster-Gäste“ zum Gehen zu bewegen. Das reicht von Nonverbalem, wie zu später Stunde einen Kaffee anbieten – was früher ein eindeutiges Signal dafür war, dass danach die Veranstaltung als beendet betrachtet werden sollte –, alle Fenster aufreißen oder deutlichem Gähnen bis zu Sätzen wie: „Ach, müsste ich doch morgen nur nicht so früh aufstehen …“

 

Sicher: Sensible Gäste verstehen solche Signale und verabschieden sich spätestens dann. Jedoch gibt es eben auch diejenigen, die trotzdem kein Ende finden. Viele Einladende scheuen sich dann, direktere Aufforderungen auszusprechen wie: „Darf/kann ich euch/Ihnen zum Schluss noch ein Getränk anbieten?“ „Mögt ihr/mögen Sie zum Abschluss noch einen Kaffee?“ „So, jetzt noch einen letzten ‚Absacker‘ für heute. Was darf ich Ihnen/euch zum Schluss noch anbieten?“ Obwohl solche klaren Formulierungen keinesfalls unhöflich sind, „leiden“ so manche lieber still vor sich hin.

 

Dem können Sie entgegenwirken, indem Sie in Ihrer Einladung direkt eine Schlusszeit bekanntgeben. Diese Praxis war bislang vorrangig bei Empfängen üblich, etwa am Vormittag, mit der Angabe: „… lade ich Sie ein zu einem Stehempfang am … von 11:00 bis 13:30 Uhr.“ Ähnliche Formulierungen eignen sich für jede Art von Veranstaltung, die Sie zeitlich begrenzen möchten, auch am Abend. Beispiele:

 

  • „Wir laden Sie herzlich zu einem Umtrunk mit kleinem Imbiss am … von 20:30 bis 23:30 Uhr ein.“
  • „Ich lade Sie herzlich ein, am … ab 20:00 Uhr ins Gasthaus zur Post. Um 20:30 Uhr wollen wir mit dem Abendessen beginnen und ich freue mich, wenn Sie dann den weiteren Abend bis gegen Mitternacht mit mir verbringen können.“
  • „Zu einem Grillabend im Garten laden wir Sie sehr herzlich ein am … von 18:00 bis 23:00 Uhr.“
  • „Ich freue mich, wenn Sie am … zu einem Kaffeetrinken in kleiner Runde von 15:30 bis 18:00 Uhr mein Gast sein können.“  

Die Renaissance der „guten alten Schneckenpost“ – Handschriftliches ist gefragt!

Gerade in unserer Zeit, in der alles „schnell-schnell-mal“ verschickt wird – als Kurznachricht, E-Mail oder Fax – ist ein Brief wieder etwas ganz Besonderes. Viele Menschen – und längst nicht nur Angehörige der älteren Generation! – empfinden es als überaus erfreulich, wenn sie zwischen Werbung und Rechnungen einen persönlichen Brief im Postkasten finden. Das kann wie ein Sonnenstrahl im Alltag sein.

 

Deshalb lohnt es sich bei vielen Gelegenheiten, darüber nachzudenken, ob eine Karte oder ein Brief die bessere Wahl ist als eine elektronisch verschickte oder in einem sozialen Netzwerk gepostete Nachricht. Aktuell etwa mit Blick auf Ostergrüße. Weitere Beispiele: Dank- oder Entschuldigungsschreiben, Weihnachts- oder Neujahrspost, Gratulationen zu Anlässen wie (runden) Geburtstagen, Familienfesten, etwa Verlobung, Hochzeit, Silberhochzeit, goldene Hochzeit, Taufe, Kommunion, Konfirmation und Ähnlichem. Hier dazu drei Tipps: 

  1. Wenn Sie einem Brief ein besonderes „Gewicht“ verleihen oder erhöhte Aufmerksamkeit erlangen wollen, schreiben Sie ihn am besten mit der Hand. Es gilt zwar nicht mehr wie früher als Fettnäpfchen, private Briefe am PC zu erstellen, vorrangig, wenn sie entweder sehr lang sind oder die schreibende Person eine extrem schlecht lesbare Schrift hat. Dennoch bleibt Fakt: Mit jedem handgeschriebenen Brief drücken Sie erhöhte Wertschätzung aus, eben weil er mehr Zeit braucht, keinen Fehler zulässt – da er ja nicht, wie am PC, zu verbessern ist – und Sie zusätzlich auch Mühe investiert haben. Das empfinden viele Menschen heutzutage wie ein „kleines Geschenk“.
  2.   Die Ausnahme im privaten Bereich, wenn es um am PC erstellte Schreiben geht: Ein Kondolenzbrief soll in solchen Konstellationen ausschließlich handgeschrieben sein. Sich bei eventueller schlecht lesbarer Handschrift dann Mühe zu geben, gehört zur Achtung der Hinterbliebenen und beweist die notwendige Wertschätzung.
  3.   Kondolenzbriefe im geschäftlichen Bereich, etwa von Vorstand zu Vorstand, werden üblicherweise komplett am PC geschrieben, also inklusive der Anrede sowie der Schlussformel. Allerdings ist es die persönlichere Art, diese beiden Elemente handschriftlich einzusetzen. Gleiches gilt im Berufsleben auch für andere Schreiben, die sich aus der üblichen Geschäftspost herausheben sollen, beispielsweise für Gratulationen.

Applaus, Applaus – nicht nur im Karneval

Generell ist Applaus der hörbare Ausdruck von Lob für eine besondere Leistung. Er hat bei allen, die etwas darbieten und vorführen, einen hohen Stellenwert, was der altbekannte Satz ausdrückt, der sich selbstverständlich auch auf Künstlerinnen bezieht: „Applaus ist das Brot des Künstlers“. Das Deutsche Theater in München hat diesen Ausspruch in einer Publikation einmal erweitert auf: „… beziehungsweise die Wurst auf dem Brot.“ Wenn Ihnen eine Darbietung gefallen hat, geizen Sie also, bitte, nicht – weder mit Brot noch mit Wurst.

Das ist auch bei Karnevalssitzungen unverändert. Gerade dort hat Applaus bei den Vorführungen und Büttenreden aus folgendem Grund eine besondere Bedeutung: Sie werden teilweise von Ehrenamtlichen dargeboten, die oft monatelang dafür trainiert und daraufhin gearbeitet haben. Eine einmalige Applaus-Sonderform im Karneval ist eine sogenannte Rakete, die stets dreifach gestartet wird. Dazu wird das Publikum bei Spitzenleistungen seitens der Sitzungsleitung aufgefordert. Sich als Gast daran zu beteiligen, sollte selbstverständlich sein. Gleiches gilt für andere Veranstaltungen, wenn die Zuschauenden zum Mitklatschen aufgefordert werden, etwa bei einer Tanzveranstaltung. Dort gebührt neben eventuellen Vorführungen auch der Kapelle nach einem gespielten Stück ein Beifall von den Tanzenden.

Bravo-Rufe und Standing Ovations honorieren eine Darbietung über das übliche Maß eines Beifalls auf besondere Art. Das wird überall als lobende Äußerung des Publikums aufgefasst, ganz gleich, ob Karnevalssitzung, im Theater – Schauspiel, Ballett, Operette, Musical oder Oper –, bei Konzerten, seien es klassische oder Unterhaltungsmusik, nach einer Rede, die auch bei privaten Feiern mit Applaus bedacht werden sollte, bei Preisverleihungen und ähnlichen Veranstaltungen. Ob Pfiffe ebenso eingestuft werden, bleibt in allen genannten Sparten im Gegensatz zur Pop-Konzert-Szene zweifelhaft. Tabu sind sie bei Karnevalssitzungen. Dort wird ein Pfeifen ausschließlich als Abwertung, also negativ empfunden.

Gleiches gilt generell für Buh-Rufe, wobei es fraglich ist, ob solche notwendig sind, um Missfallen auszudrücken. Mit ausbleibendem Applaus kann dieses genauso bekundet werden, was weniger angreifend ist.

Der 10-Punkte-Geschenke-Knigge: Freude bereiten leicht gemacht

Die „Geschenke-Hoch-Zeit“ steht vor der Tür. Und manche fühlen sich bereits bei dem Gedanken an einen Einkaufsmarathon genervt, um für mehr oder weniger vertraute oder auch relativ fremde Personen diverse Präsente zu besorgen. Dazu kommt, dass es bei vielen Menschen Kopfzerbrechen verursacht, wie sie anderen eine Freude bereiten können. Und das längst nicht nur zur Weihnachtszeit. Hier einige Tipps, wie Sie zum einen dem Einkaufsstress entgehen und sich so manche Grübelei ersparen sowie zum anderen bei den Beschenkten im positiven Sinn Furore machen können.

1. Behalten Sie beim Nachdenken über eine Gabe den Geschmack der zu beschenkenden Person im Blick, statt sich vorrangig nach Ihrem eigenen zu richten. Beispiel: Wer sich am liebsten mit Naturprodukten umgibt, wird wenig Gefallen an einem glitzernden Strass-Engel finden können. 

2. Ein Geschenk sollte ungeachtet des Wertes sowohl bei Beschenkten als auch bei Schenkenden ein gutes Gefühl auslösen. So kann zum Beispiel ein zu großzügiges und teures Präsent andere in Verlegenheit bringen. In solchen Fällen wird die Freude bei vielen deshalb getrübt, weil sie befürchten, sich nicht entsprechend revanchieren zu können. Solche Überlegungen erübrigen sich selbstverständlich bei Geschenken an Kinder und Jugendliche.

3. Achten Sie auf den Vertrautheitsgrad zur oder zum Beschenkten. Allzu „intime“ Gaben sind unter relativ Fremden unangebracht. Dazu zählen zum Beispiel Kleidung und Parfüm. Beziehen Sie auch den Rahmen, in dem Ihr Präsent ausgepackt wird, in Ihre Überlegungen ein. Beispiel: Ein ausgefallenes Dessous-Teil mag unter Liebenden durchaus Freude bereiten können. Dennoch wird das Sichtbarwerden nach dem Öffnen des Päckchens vor den Augen etwa aller Mitglieder des erweiterten Familien-Clans unterm Weihnachtsbaum unter Umständen als peinlich empfunden.

4. Oft empfiehlt es sich, direkt ein Umtauschangebot zu unterbreiten, etwa dort, wo zum Beispiel Kleidungsstücke als Präsent angebracht sind wie innerhalb der Familie. Auch bei anderen Gaben kann ein solcher Hinweis den Beschenkten unter Umständen viel unangenehmes Nachdenken mit dem Tenor: „Darf ich wohl danach fragen, oder ist das beleidigend?“, ersparen.

5. Zum einen, um Fehlgriffe bei der Auswahl eines Geschenkes zu vermeiden, erfreuen sich Gutscheine und Geldgeschenke wachsender Beliebtheit. Zum andern werden gerade Letztere – besonders von Jugendlichen – oft erbeten, um auf etwas „Größeres“ hinzusparen. Wer dann ein „aufgeladenes“ Plastikkärtchen oder einen im Geschäft vorgedruckten Gutschein einfach der zu beschenkenden Person übergibt, hat offensichtlich wenig Ahnung von „warmherzigem Schenken“. Noch schlimmer wäre es, einen Geldschein auf „Trinkgeldmanier“ in die Hand zu drücken. Lassen Sie sich in solchen Fällen besser eine „liebevolle“ Verpackung einfallen. Mit etwas Fantasie und Kreativität ist das sogar für Ungeübte zu schaffen. Schon eine hübsche Hülle oder eine zusätzliche, handschriftlich vervollständigte Karte verbessern die Gabe. Und wenn alle Stricke reißen, hilft der Gang in ein Blumengeschäft: Einfach den Gutschein oder das Geld in einen (kleinen) Strauß oder an einen dekorierten Tannenzweig binden lassen.

6. Überlegen Sie, ob es Ihnen möglich ist, etwas zunehmend wertvoller Werdendes zu verschenken: Zeit – und zwar Ihre. Die können Sie mit einer besonderen Art von Gutscheinen sichtbar werden lassen, die Sie selbst schreiben, drucken oder kreativ gestalten. Angefangen über Angebote wie Babysitten, Blumengießen während des Urlaubs, Schneeschieben, Nachhilfestunden für das Patenkind in einem bestimmten Fach oder Hemden bügeln über eine Einladung ins Theater oder Kino, einen Zoo- oder Zirkusbesuch, eine gemeinsame Radtour oder einen Spaziergang bis hin zu längeren Reisen ist die Bandbreite riesengroß. Achten Sie bei der Auswahl jedoch darauf, dass der oder dem Beschenkten keine Zusatzkosten entstehen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn Sie eine Karte für ein Musical in XY-Stadt verschenken, und es vergessen, die Fahrt und eventuell benötigten Übernachtungskosten auch zu tragen. Und: Denken Sie daran, den Gutschein einzulösen!

7. Ihre Zeit steckt auch in selbstgemachten Präsenten. Je nach Begabung können das Leckereien sein wie Marmelade, Konfekt, herzhafte Pasteten oder Soßen sowie Plätzchen, Kuchen, Likör, Säfte und anderes. Bei handwerklichem oder künstlerischem Talent bieten sich auch Ziergegenstände und Dekorationselemente an. Dass sich bei solchen dilettantisch Zusammengebasteltes verbietet, versteht sich von selbst. Die richtige Selbsteinschätzung für die eigenen Fähigkeiten ist hier also gefragt. Davon ausgenommen ist selbstverständlich Selbstgewerkeltes oder Gemaltes von Kindern.    

8. Legen Sie sich einen „Geschenke-Fundus“ an, den Sie das ganze Jahr über mit kleineren oder auch größeren Gaben bestücken. Besonders geeignet ist das mit Blick auf vertraute Personen, deren Vorlieben oder Hobbies Sie kennen. Beispiel: Ein Familienmitglied sammelt irgendetwas, etwa Eulen, Elefanten, Buddhas. Wann immer Sie ein entsprechendes Teil sehen, das diese Sammlung erweitern könnte, und dessen Kauf Ihr Geldbeutel zulässt, „bunkern“ Sie es. So haben Sie nicht nur im passenden Moment  – Geburtstag, Namenstag, Weihnachten, Muttertag, Vatertag oder was auch immer – ein Präsent parat. Sie ersparen sich auch den Frust, wenn genau in dem Moment, in dem es gebraucht wird, nirgendwo etwas Entsprechendes aufzutreiben ist.  

9. So umgehen Sie auch die „Zeit-Falle“, in die viele Menschen zwischen dem 20. und 24. Dezember eines jeden Jahres tappen. Wer ohne Hektik und mit genügend Vorlauf, das wirklich Richtige zu finden, die Gaben auswählt, hat größere Chancen, Freude zu bereiten, als wenn auf den letzten Drücker die sogenannten SOS-Geschenke – Socken, Oberhemd, Schlips – oder irgendetwas x-Beliebiges zusammengerafft werden. Selbst diejenigen, die auf Käufe im Internet schwören, sind gut beraten, wenn sie sich frühzeitig auf die Suche nach Präsenten begeben. Auch wenn so mancher Internet-Shop damit wirbt, dass die am 23. bestellte Ware noch am 24. Dezember ausgeliefert wird, kann es auch bei den dortigen Angeboten Ausverkäufe oder Fehlbestände geben.  

10. Für geschäftliche Präsente gelten die Tipps ebenso, wenn es um individuelle Geschenke, etwa zu einem Geburtstag einer Geschäftspartnerin oder zum Jubiläum eines Kunden geht. Bei Weihnachtsgaben gibt es die folgenden Einschränkungen: Der Geschmack einer einzelnen Person aus dem Kreis derer – etwa Kundschaft und Zulieferfirmen –, die seitens eines Unternehmens beschenkt werden sollen, kann hier nicht ausschlaggebend sein. Es geht mehr um eine Marketing-Idee und darum, das eigene Firmen-Image darzustellen. Wichtig ist, vorher zu erforschen, ob die Annahme von Geschenken überhaupt erlaubt ist und wenn ja, bis zu welchem Geldwert. Nicht nur im öffentlichen Bereich ist das oft stark reglementiert.

 Wenn eine Firma aus gegebenem Anlass – etwa um an eine karitative Einrichtung wie die Flüchtlingshilfe zu spenden – auf die bislang üblichen Präsente verzichten und sich auf Karten beschränken will, ist es empfehlenswert, dies im Text zu erklären. Eingedruckte Unterschriften sind es hingegen nicht. Auch bei einer großen Zahl von Karten oder Briefen ist es die wertschätzende Form, diese handschriftlich zu unterschreiben. Diese Arbeit kann, frühzeitig geplant, auf mehrere Personen, etwa abteilungsweise, verteilt werden.

Kleiner Knigge für die Betriebs-Weihnachtsfeier

1. Überlegen Sie sorgfältig, ob Sie eine Einladung zur Firmen- oder Abteilungs-Weihnachtsfeier ablehnen. Das könnte Ihnen als Desinteresse, Arroganz oder gar als mangelnde Teamfähigkeit ausgelegt werden.

2. Wählen Sie Ihre Garderobe dem Anlass oder der herausgegebenen Empfehlung gemäß. Sollte letztere fehlen und deshalb Unsicherheit zum gewünschten Kleidungsstil auftauchen, ist eine vorherige Nachfrage bei den Zuständigen die klügste Lösung.

3. Wenn es eine Tisch- oder Sitzordnung gibt, halten Sie sich, bitte, daran. Oft wird eine solche deshalb erstellt, um „Klüngel“ derer, die sowieso immer zusammenhocken, zu vermeiden. Eine Weihnachtsfeier dient neben anderem auch dem besseren Kennenlernen der Firmenangehörigen.

4. Vermeiden Sie Gespräche über Arbeitsabläufe, alles Innerbetriebliche sowie Geschäftliches ganz allgemein. Die Kunst des Small Talks – des kleinen, leichten Gesprächs – ist bei solchen Anlässen gefragt. Dazu zählen weder interner Klatsch und Tratsch noch alle sonst bestehenden Small-Talk-Tabus unter relativ Fremden – etwa Krankheit, Tod, Religion, Geld und Besitz, Politik, ethnische Fragen. Stattdessen bietet sich Unverfängliches an wie Kunst, Literatur, Theater, Kino, die bevorstehenden Feiertage oder Urlaub sowie Hobbys ganz allgemein.

5. Schätzen Sie Ihre Alkoholverträglichkeit richtig ein. Es ist in der Regel wenig Image fördernd, wenn dank großzügig zur Verfügung gestellter alkoholischer Getränke Verhaltensweisen an den Tag gelegt werden, die Grenzen anderer oder die des guten Geschmacks überschreiten. Dazu zählen zum Beispiel unerwünschte Flirtversuche, die schnell als unliebsame oder plumpe Anmache empfunden werden können. Distanzlosigkeit in jeder Form – etwa auch beim Tanzen – ist ein Fettnäpfchen erster Güte.

6. Seien Sie deshalb auch vorsichtig mit „Verbrüderungs- und Duz-Arien“. Oft wird die am nächsten Morgen herrschende Katerstimmung noch dadurch verschlimmert, dass es entweder peinlich wird, plötzlich Vorgesetzte duzen zu sollen. Oder weil völlig unklar ist, ob ein solches Angebot überhaupt ernst gemeint war. Generell gilt auch bei einer Weihnachtsfeier, was innerbetrieblich für ein Duz-Angebot stets Bestand hat: Das Recht dazu steht immer Vorgesetzten zu.

7. Ist doch einmal eine solche Situation entstanden, hier zwei Tipps, wie sie am elegantesten zu lösen ist. In der Rolle des Teammitglieds gegenüber Vorgesetzten empfiehlt sich Folgendes: Warten Sie erst einmal ab, welche Anrede von deren Seite am nächsten Tag gewählt wird. Verwenden diese die Sie-Form wie vor der Feier, greifen Sie die am besten ohne eine Erwähnung des Abends auf. Wird eine direkte Anrede offensichtlich vermieden, zum Sie zurückkehren und die Reaktion abwarten. Für eine Führungskraft, die einem Teammitglied ein unüberlegtes Duz- Angebot unterbreitet hat, sieht die Sache schwieriger aus. Das Zurücknehmen eines „Du“ wird in der Regel als Beleidigung bis hin zum Bruch einer Beziehung empfunden. Das kann, wenn überhaupt, nur mit viel Ehrlichkeit – also mit dem Eingeständnis, unter Alkoholeinfluss einen Fehler gemacht zu haben – und einer angemessenen Bitte um Entschuldigung verhindert werden. Zweite Voraussetzung, mögliche Verletztheit in Grenzen zu halten: Dieses Gespräch direkt am nächsten Tag beziehungsweise beim ersten Zusammentreffen nach der Weihnachtsfeier führen.

8. Praktizieren Sie außerdem alle gängigen guten Umgangsformen, sei es bei den Tischsitten, beim Büfett – es wird wie immer seitens der Gastgebenden, hier also von Vorgesetzten, eröffnet, ehe sich ein Gast daran bedient –,  bei der Begrüßung wie bei der Verabschiedung. Und denken Sie, bitte, daran: Eine Betriebsfeier, ganz gleich zu welcher Jahreszeit, ist etwas anderes als ein Familienfest – selbst wenn sich eine Belegschaft laut Wunsch der Firmenleitung als „große Familie“ fühlen soll! Ein Lapsus, der innerhalb der Verwandtschaft unter Umständen schnell verziehen wird, kann bei einem Betriebsfest zum Karriereknick führen.

9. Sollten Sie die Feier aus zwingenden Gründen erheblich eher als die anderen Firmenmitglieder verlassen, erklären Sie das am besten sowohl Ihrem Kollegium als auch Ihren Vorgesetzten gegenüber. Gleiches gilt, wenn Sie nicht pünktlich erscheinen können.

E-Mail-Weihnachtsgrüße an die Kundschaft – Image fördernd?

Überlegen Sie genau, wem Sie auf welchem Weg Ihre Festtagsgrüße senden wollen. Weihnachtspost via E-Brief, E-Mail, SMS oder Fax eignet sich nur sehr eingeschränkt. Wählen Sie einen dieser Wege nur, wenn Sie die Vorlieben für moderne Medien der Empfangsperson kennen. Entscheiden Sie sich im Zweifelsfall besser für den traditionellen Postweg.

Das gilt auch für Weihnachtsgrüße an die Kundschaft. So schnell und bequem eine E-Mail an einen großen Verteiler auch sein mag: Unter Umständen schaden Sie damit Ihrem Firmenimage mehr, als dass es gesteigert wird. So kann es bei den Angeschriebenen großen Unmut auslösen, wenn durch einen offenen E-Mail-Verteiler bekannt wird, dass sie zum Kunden- oder Lieferantenkreis eines Unternehmens gehören. Wenn überhaupt dieser Weg gewählt wird, ist es angebracht, den Versand über den Bcc-(Blind-Kopie-)Verteiler vorzunehmen. Empfehlenswerter bleibt nach wie vor der Postweg, weil eine Karte oder ein Brief einen nachhaltigeren und persönlicheren Eindruck hinterlässt.       

(Quelle: Die aktuellen Empfehlungen des Gremiums
„Arbeitskreis Umgangsformen International“ (AUI), Herbst 2011)

Rücksichtsvolles Verhalten bei Grippe und Erkältung

1. Rücksichtnahme bei der Begrüßung

Wer von Grippe, Schnupfen oder Husten geplagt wird, kann kaum jeden Kontakt mit anderen Menschen in der Öffentlichkeit vermeiden. Ihnen unliebsame Störungen zu ersparen sowie die Ansteckungsgefahr zu verringern, ist dann ein Höflichkeitsgebot.
Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang das Thema „Begrüßung“. Der von vielen Deutschen bei einem Treffen als obligatorisch betrachtete Händedruck kann zum „Virentransporteur“ erster Güte werden. Auf ihn zu verzichten, wird nicht nur von Gesundheitsfachleuten empfohlen. Ein solches Angebot beweist auch Rücksichtnahme und Höflichkeit. Ein kurzer Hinweis wie: „Ich halte es zurzeit für sinnvoll, das Handreichen wegzulassen und grüße Sie deshalb herzlich“, oder:„Ich möchte Ihnen heute lieber nicht die Hand geben, weil ich so erkältet bin“, hilft, Missverständnissen vorzubeugen.

2. Rücksichtnahme bei Veranstaltungen
 
Frei wählbare Termine werden am besten verschoben – etwa ein Besuch im Fitness-Studio. Wer Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen und sie vor möglicherweise gefährlicher Ansteckung bewahren will, verzichtet lieber auf das Training, bis die Grippe oder Erkältung abgeklungen ist. Ähnliches gilt für Tanzstunden. Wer einen Ausweichtermin wahrnehmen kann, der in den meisten Fällen seitens der Tanzschulen angeboten wird, sollte diese Möglichkeit nutzen. Bei Theater- und Konzertbesuchen ist Rücksichtnahme ebenfalls gefragt, damit der Kunstgenuss nicht empfindlich gestört wird. Auch hier gilt: Was sich auf einen späteren Zeitpunkt verlegen lässt, unterbleibt besser während der akuten Phase einer Erkrankung .
Haben Sie gezwungenermaßen an einer Veranstaltung teilzunehmen, zum Beispiel im beruflichen Bereich, zeigen Sie Ihre Rücksichtnahme so: rechtzeitig Medikamente gegen Erkältung einnehmen, notfalls bei einem akuten Anfall den Raum verlassen.

3. Rücksichtnahme beim Husten, Niesen und Naseputzen

Eine alte Umgangsformen-Empfehlung besagt, dass der komplett ausgestatte Mensch stets ein sauberes Stofftaschentuch bei sich hat. Das ist nach wie vor aktuell. Es zum Naseputzen bei einer Erkältung oder Grippe jeder Art sowie zum Vorhalten vor Mund und Nase beim Husten oder Niesen zu gebrauchen, widerspricht allerdings den Hygiene-Anforderungen der Fachleute.

Stress-Abbau dank Knigge

Immer mehr Firmenleitungen schließen sich einem wertschätzenden Führungsstil an, der auch die Umsicht für und Rücksicht auf die Beschäftigten außerhalb ihrer Arbeitszeit einschließt. Das ist sowohl wünschenswert und klug als auch löblich.

Ein vorbildhaftes Vorgehen zeigte unter anderem das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Dort gibt es seit einiger Zeit eine Verpflichtung, Mitarbeitende nur noch in Ausnahmefällen in ihrer Freizeit per Anruf oder E-Mail zu stören. Darauf haben sich Personalrat und Leitung des Ressorts geeinigt. Zugleich soll niemand benachteiligt werden, wenn außerhalb der Arbeitszeit das Handy abgeschaltet ist oder Nachrichten nicht abgerufen werden. In dem Kodex heißt es demnach: „Niemand, der über einen mobilen Zugang und ein Handy verfügt, ist außerhalb der individuellen Arbeitszeit verpflichtet, diese zu nutzen. Eine Selbstausbeutung der Beschäftigten soll vermieden werden.“ Anrufe oder E-Mails an Teammitglieder im Urlaub finden grundsätzlich nicht statt.

Diese Übereinkunft entstand bei der Suche nach Stressfaktoren. Dass zu solchen auch ein fehlender wertschätzender Umgang am Arbeitsplatz zählt, ist unbestritten. Zusätzlich wird in unserer medialen Welt ein Großteil der Überbelastung neben anderem durch die ständige Erreichbarkeit produziert. Deshalb ist es ein Gebot sowohl der Rücksichtnahme als auch der Gesundheitsvorsorge, dem entgegenzuwirken. Gleichzeitig gilt es, Abwesenheits-Zeiten auf hilfreiche und zugleich höfliche Art bekanntzugeben. Auch das wirkt sich Stress mindernd aus – zum Beispiel mit einem entsprechenden Hinweis für die Empfangsperson einer E-Mail. Dazu einige Tipps:

Abwesenheitsnotizen bei geschäftlichen E-Mails

Viele standardmäßig eingerichtete Abwesenheitsnotizen bestehen aus einem Satz ohne Anrede und Grüße. Diese zu aktivieren ist zwar besser, als gar keine Nachricht herauszugeben, und somit die Empfangsperson im Unklaren zu lassen, wann sie mit einer Antwort rechnen kann. Weitaus verbindlicher ist allerdings ein Text, der von einer Anrede und einem Gruß umrahmt wird. Im Firmenbereich gehört außerdem die Angabe dazu, wer während der Abwesenheit als Vertretung zu erreichen ist. Am höflichsten ist es, die entsprechenden Kontaktdaten direkt bekanntzugeben. Wenn eine Nachricht nicht weitergeleitet wird, ist es zuvorkommend, darauf hinzuweisen. Textbeispiel: 

 Sehr geehrte Damen und Herren,

für Ihre Nachricht vielen Dank. Bis zum XX. August 2016 habe ich keinen Zugriff auf meine E-Mails. Bitte beachten Sie, dass die Nachricht nicht weitergeleitet wird. In dringenden Fällen erreichen Sie meinen Stellvertreter, Herrn Alexander ABC, unter A-ABC@hoeflichkeit.de oder telefonisch unter 0123 456789.
Es grüßt sie freundlich

(Name/Signatur)

Bei längerer Abwesenheit kann es hilfreich sein, direkt bekannt zu gegeben, dass alle in dem angegebenen Zeitraum eingegangenen E-Mails automatisch gelöscht werden. Eine solche Vorgehensweise erspart unter Umständen tagelange Arbeit des Sichtens von hunderten eingegangener E-Mails. Es ist im Sinne guter Kundschaftspflege dann unerlässlich, eine Vertretung anzugeben. Textvorschlag:

Sehr geehrte E-Mail-Schreiberin,

sehr geehrter E-Mail-Schreiber,

danke sehr für Ihre Mitteilung. Bis zum XX. August habe ich keinen Zugriff auf meine E-Mails. Bitte, wenden Sie sich in dringenden Fällen an meine Vertreterin, Frau Maria Tüchtig, E-Mail: maria@tüchtig.de oder telefonisch unter 0123 45678. 

Sollte Ihr Anliegen  nach dem XX. August 2016 noch unerledigt und für Sie weiter aktuell sein, senden Sie mir Ihre E-Mail, bitte, erneut zu. Bis dahin werden alle eingehenden E-Mails automatisch gelöscht.

Es grüßt Sie für heute freundlich

(Name/Signatur)

Kleiner Reise-Knigge

1: Anders bedeutet keinesfalls schlechter

Urlaubsstimmung ist kein Grund, sich schlecht zu benehmen. Auch in Feriengebieten sind Rücksichtnahme und Wertschätzung gefragt – und zwar sowohl anderen Gästen als auch den dort Ansässigen sowie Tätigen gegenüber! So sollte es selbstverständlich sein, sich bei Fernreisen über Gepflogenheiten und Sitten des Gastlandes zu informieren und auf sie Rücksicht zu nehmen.

Bedenken Sie dabei, bitte, stets: Anders bedeutet keinesfalls schlechter, sondern einfach nur unterschiedlich zu den Ihnen vertrauten Formen. Jede in einem Land gepflegte Umgangsform hat dort dieselbe Berechtigung wie deutsche Gewohnheiten in Deutschland. Respektieren Sie deshalb Ihnen fremde Gebräuche und Riten und passen Sie sich ihnen so weit wie möglich an. Wer das nicht will, wählt besser ein anderes Reiseziel.

Einige Worte in der Landessprache zu lernen, beweist die Wertschätzung den Einheimischen gegenüber. „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Bitte“ und „Danke“ sowie „Entschuldigung“ bilden die Basis für einen „touristischen Schnellkursus“, der bei besonders komplizierten Sprachen gern auch auf einem Zettel parat gehalten werden kann.      

2: Bikini, Unterhemd und Co.

Unabhängig davon, ob in einem Hotel explizit um bestimmte Kleidung zu den Mahlzeiten gebeten wird, ist es respektlos, sich in Strand- oder in Bade-Outfits in einen Speisesaal zu begeben. Mögen beispielsweise Bikinis, Badehosen oder Unterhemden zwar an einem Imbiss am Strand oder an einer Poolbar toleriert sein, sind sie in einer geschlossenen Restauration fehl am Platz. Das gilt ebenso für etwa kurze Hosen zum Dinner.

Sehr wichtig ist die richtige Kleidungswahl auf Reisen auch bei der Besichtigung von Gotteshäusern – ganz gleich, welcher Religion. Achten Sie dabei, bitte, stets auf angemessene, bedeckende Garderobe und darüber hinaus auf eventuell bestehende Glaubensvorschriften, zum Beispiel das Ausziehen der Schuhe und das Tragen einer Kopfbedeckung.

3: Hüllenlos an Urlaubs-Stränden?

Nacktheit am falschen Ort ist rücksichtslos und lässt die notwendige Wertschätzung anderen Menschen gegenüber vermissen. Deshalb sollten die Hüllen nur an ausgewiesenen FKK-Stränden fallen. „Oben ohne“ für Frauen ist nur dort angebracht, wo es die Landes- oder Hotel-Sitten zulassen. Höflichkeit bedeutet in diesem Fall: Auf das Schamgefühl, die Moralvorstellungen und besonders auf glaubensbedingte Gepflogenheiten anderer Menschen Rücksicht zu nehmen. Und zwar unabhängig davon, ob Nacktheit mit Strafen belegt ist oder nicht. Die individuelle Freiheit endet dort, wo die Grenzen und Gefühle anderer verletzt werden.

4: „Meine Liege!“

Hotelgäste, die im Urlaub früh morgens die vermeintlich beste Liege am Pool mit einem Handtuch oder anderem für sich reservieren, und dann Stunden später ihren Anspruch auf den Platz geltend machen, sind bei vielen Reisenden unbeliebt. Auch die Hotelleitungen sehen diese Praxis meist äußerst ungern. Teilweise wird sie sogar verboten oder eigens dafür Angestellte sammeln ausgelegte Tücher wieder ein. Sie können Konflikte vermeiden und zu einem respektvollen Umgang miteinander beitragen, wenn Sie auf solche frühzeitige Reservierung einer Sonnenliege verzichten.

5: Der „Sturm aufs Büfett“ 

Erfahrungsgemäß stürzen sich viele Gäste zum frühestmöglichen Zeitpunkt auf ein Büfett, als seien sie kurz vor dem Verhungern oder hätten Angst, leer auszugehen. Diesem „Sturm aufs Büfett“ bieten Sie am besten die Stirn, indem Sie einfach etwas abwarten, ehe Sie sich vom Tisch erheben. Praktisch und entgegenkommend ist es, sich innerhalb einer Tischrunde über den Zeitpunkt abzusprechen, und dann relativ gemeinsam zum Büfett zu gehen.

Darüber hinaus können Sie den reibungslosen Ablauf erleichtern, indem Sie die Gehrichtung beachten, die in der Regel von Vorspeisen über Suppe, Hauptgang bis Dessert reicht. Das gilt auch, wenn Sie einen Gang auslassen möchten. Handelt es sich dabei beispielsweise um die Vorspeise, weil Sie lieber nur ein Hauptgericht essen wollen, ist es keine Unhöflichkeit, sich direkt an der entsprechenden Stelle zu bedienen. Lediglich ein „gegen den Strom“ gehen ist mit Rücksicht auf die anderen Gäste fehl am Platz.

Sehr häufig passiert es in Urlaubshotels, besonders bei „All-inclusive-Arrangements“, dass sich Gäste ihren Teller mehr als voll häufen und zudem auch direkt Vorspeisen, Hauptgerichte oder gar zusätzlich noch Desserts darauf laden. Ganz abgesehen davon, welche geschmacklichen Einbußen dies nach sich zieht, ist es auch den Mitmenschen gegenüber unfreundlich, weil es unappetitlich aussieht.

Gehen Sie deshalb besser öfter zum Büfett und holen Sie sich kleinere Portionen. Es ist Usus und erwünscht, dass Gäste sich mehrere Male von den jeweiligen Gängen etwas nehmen. Die Praxis, sich bei einem Büfett von dem gesamten Angebot lieber jeweils mehrere kleine Portionen zu holen, die wirklich aufgegessen werden, unterstützt zum einen den Gedanken, respektvoll mit Lebensmittel umzugehen. Zum anderen ist es appetitlicher.

6: Trinkgeld geben

Gerade zu diesem Punkt ist eine sorgfältige Recherche vor Reiseantritt oder spätestens vor Ort sehr wichtig. Nicht nur die Höhe der üblichen oder erwarteten Trinkgelder schwankt erheblich. In manchen Ländern wird der durch Geld ausgedrückte Dank eher als Beleidigung statt als Anerkennung empfunden. Und das wiederum kann zwischen Tourismuszentren und anderen Gebieten stark schwanken. Erkundigen Sie sich deshalb nach den an Ihrem Urlaubsort üblichen Trinkgeldgepflogenheiten zum Beispiel bei der Reiseleitung, mithilfe von Reiseführern oder an der Rezeption Ihres Hotels. 

7: Die oft besungene Freiheit über den Wolken

Reinhard Mey hat den Begriff „grenzenlos“ sicher anders gemeint, als ihn so manche Flugreisende interpretieren. Denn gerade in der Enge eines Ferienfliegers und jeglichen vollbesetzten Flugzeugs ist es extrem wichtig, Rücksicht auf Mitreisende zu nehmen. Das beginnt bei der Entscheidung für die Reisekleidung. Längst nicht jeder Mensch empfindet zum Beispiel die Wahl an Strandkleidung erinnernder Outfits als angemessen.

Als störend werden von vielen auch unter anderem die folgenden Verhaltensweisen wahrgenommen:

  • Drängeln beim Ein- oder Aussteigen;

  • den Gang unnötig lange versperren beim Verstauen des Handgepäcks in den dafür vorgesehenen oberen Ablagen;

  • das ruckartige Zurückstellen der Rückenlehne und das sich Hochziehen beim Aufstehen am Vordersitz ohne Rücksichtnahme;

  • das Belegen beider Armlehnen, was die „Nebenmenschen“ – so der Ausdruck Adolf Freiherrn Knigges für Mitmenschen –  zu unbequemen Sitzhaltungen zwingt;

  • sich öfter als unbedingt notwendig oder in den ungünstigsten Momenten, etwa während des Essens, an anderen vorbei zu quetschen;

  • das Missachten eines Ruhebedürfnisses von Nebensitzenden, indem sie mit unerwünschten Gesprächen oder Geräuschen von technischen Geräten belästigt werden. 

Wenn Sie all das vermeiden, werden Sie sowohl Ihren Mitmenschen als auch sich selbst eine Reise – sei es im Flugzeug, im Bus oder in der Bahn – um Vielfaches angenehmer gestalten.

Wenn Selfies über das Selbst hinausgehen

Längst beschränken sich die sogenannten Selfies nicht mehr darauf, ein Selbstportrait zu bleiben. Immer öfter werden die technischen Möglichkeiten beispielsweise der Smartphones dazu genutzt, auch weitere Personen in der Öffentlichkeit abzulichten – gern auch im Verbund mit der oder dem Auslösenden.

Letztere vergessen allzu oft, dass es – die Rechtslage hier einmal völlig außen vor gelassen – eine Grundvoraussetzung der Höflichkeit ist, andere Menschen um ihr Einverständnis zu bitten, ehe sie fotografiert werden dürfen. Und zwar völlig unabhängig davon, ob es sich erstens bei der abgelichteten Person um eine mehr oder minder prominente handelt, und ob zweitens das Foto später „unter Verschluss“ bleiben oder im Internet hochgeladen werden soll. Wer den Mitmenschen die notwendige Wertschätzung zeigen will, fragt deshalb vor jeder Fotografie – auch ohne sich selbst mit aufzunehmen –, ob sie überhaupt gelegen kommt und gestattet wird. Das gilt im eigenen Land wie auf Auslands-Reisen. Rücksichtnahme und sorgfältige Überlegung sind auch gefragt, wenn ein Selfie-Stick für eine Aufnahme verwendet werden soll.

Kleiner Knigge für Theaterbesuche

Wie in allen Lebenslagen gilt auch bei einem Theaterbesuch: Rücksichtnahme und Höflichkeit erhöhen den Genuss! Hier eine kleine Erinnerungsstütze dazu:

Vorbereitung und Kleidung

Wer an die Mitmenschen denkt, wird vor einem Theaterbesuch das Thema „Gerüche“ einkalkulieren, die als störend empfunden werden können. 

Verbindliche Vorgaben zur Kleidung gibt es seitens der Intendanzen kaum; feststehende Gepflogenheiten selten, wie etwa bei den Wagner-Festspielen, bei denen entgegen anderer Empfehlungen für die Herren der Smoking bereits vor 19:00 Uhr angesagt ist und die Damen dementsprechend im Abendkleid schon am Nachmittag erscheinen. Viele Theatergäste kleiden sich nach wie vor etwas festlicher als beispielsweise zu einem Kinobesuch. Abendgarderobe wird durchgängig meist nur noch bei Premieren und besonderen Festveranstaltungen getragen, ist allerdings auch bei anderen Theaterveranstaltungen „nicht verboten“. Dadurch entsteht ein recht gemischtes Kleidungsbild, das jedoch mit etwas Toleranz problemlos akzeptabel ist.

Pünktlichkeit

Sie ist bei einem Theaterbesuch zwingend, wenn Besuchende von der ersten Minute an das Erlebnis genießen wollen. Hier bestraft zwar nicht das Leben das Zuspätkommen, aber die Türen werden zu Beginn gnadenlos geschlossen und ein späterer Einlass ist erst nach geraumer Zeit möglich. Dann nämlich, wenn es die bereits Anwesenden am wenigsten stört, schlimmstenfalls erst nach dem ersten Akt/Bild.      

Garderobe abgeben

Oft ist zu sehen, dass Theatergäste ihre Mäntel oder Jacken, gar Regenschirme oder Rucksäcke und große Taschen mit in die Vorstellung nehmen. Das ist anderen gegenüber unhöflich, weil das Verstauen solcher Utensilien im Zuschauerraum unweigerlich den für die Nebensitzenden zur Verfügung stehenden Platz reduziert. Zudem können bei nasser Kleidung unangenehme Gerüche entstehen. Wer sich rücksichtsvoll verhalten will, nutzt also die Möglichkeit, alle sperrigen Dinge sowie Mantel oder Jacke an der Garderobe abzugeben.

Den Platz einnehmen

Hat ein „Theater-Profi-Gast“ in einer Reihe einen Mittelplatz, verhält er sich so: Er nimmt diesen recht früh ein, statt auf das allerletzte Klingelzeichen zu warten. So brauchen nicht alle vor ihm Erschienenen in dieser Reihe für ihn aufzustehen beziehungsweise er hat sich nicht an ihnen vorbeizuschieben (falls es an der Höflichkeit des Aufstehens für später Kommende mangelt). Sollte Letzteres notwendig werden, dreht er den Sitzenden beim Durchgehen in der Reihe mit einem Dank das Gesicht zu, statt ihnen seine Kehrseite an der Nase vorbei zu schieben.

Umgekehrt können auch die „Randplatz-Gäste“ ihr Scherflein zum reibungslosen Ablauf beitragen, indem sie bis kurz vor dem Schließen der Türen an der Seite stehend ausharren, wenn Mittelplätze noch unbesetzt sind. Zum Ende der Pause helfen diese Tipps übrigens ebenso für ein reibungsloses Platznehmen.

Rücksichtnahme während der Vorstellung

Als rücksichtsvoller Theatergast vermeiden Sie jegliche Geräuschbelästigung, die anderen den Kunstgenuss vermiesen könnte. Das beginnt beim Tuscheln, geht über das Mitsingen bekannter Arien oder Musicalsongs – sofern nicht seitens der Regie ausdrücklich erbeten –  oder das Knistern mit Einwickelpapier von Süßigkeiten oder (Husten-)Bonbons bis hin zu Klingeltönen des Smartphones oder Handys. Letzteres werden Sie selbst stummgeschaltet während der Vorstellung nicht für das Versenden von Kurznachrichten oder das Abrufen eingegangener Nachrichten beziehungsweise irgendwelcher Aktivitäten im Internet nutzen. Sie wissen, dass allein der Lichtschein des Displays oder die Bewegungen der Hand beim Eintippen in das Gerät Nebensitzende stören können.

Mit diesen ein „Nutzungs-Arrangement“ über die Armlehnen zu treffen, statt beide während der ganzen Vorstellung für sich allein zu beanspruchen, zählt für Sie zur selbstverständlichen Höflichkeit. Ist es notwendig, wegen eines Hustens zu dämpfenden Bonbons zu greifen, haben Sie vorgesorgt und solche eingesteckt, die ohne Knistergeräusche ausgepackt werden können. Bei schwereren Erkältungskrankheiten verschieben Sie aus Rücksicht auf andere Ihren Theaterbesuch, bis Sie wieder gesund ist.  

Applaus

„Applaus ist das Brot des Künstlers“ beschreibt es ein altbekannter Satz. Dass darin die Künstlerrinnen eingeschlossen sind, versteht sich von selbst. Das Deutsche Theater in München hat diesen Ausspruch in einer Publikation einmal erweitert auf: „… beziehungsweise die Wurst auf dem Brot.“ Wenn es Ihnen gefallen hat, geizen Sie also, bitte, nicht – weder mit Brot noch mit Wurst. Dass Bravo-Rufe und eine Standing-Ovation zum Schluss-Applaus als lobende Äußerungen des Publikums aufgefasst werden, ist unbestritten. Ob Pfiffe ebenso eingestuft werden, bleibt hier im Gegensatz zur Pop-Konzert-Szene zweifelhaft.

Und ob es wirklich notwendig ist, das Missfallen an einer Inszenierung oder der Leistung von Darstellenden durch Buh-Rufe kundzutun, scheint sehr fraglich. Ausbleibender Applaus hätte dieselbe Signalwirkung und wäre weniger angreifend.

Kleiner Anti-Diskriminierungs-Knigge

1. Bedenken Sie bei Formulierungen, bitte, stets: Ob eine Äußerung als diskriminierend bezeichnet werden kann, hängt keinesfalls davon ab, wie die sprechende Person sie interpretiert, etwa: „Aber das Wort war doch in diesem Zusammenhang positiv gemeint!“ Ausschlaggebend ist immer, wie die oder der Angesprochene etwas empfindet. Respektieren Sie die Tatsache, dass jeder Mensch ein Recht auf sein Gefühl hat und es niemandem zusteht, dieses anzuzweifeln oder es ihm gar abzuerkennen.

2. Versetzen Sie sich deshalb nach besten Kräften in Ihr Gegenüber – entwickeln Sie also Einfühlungsvermögen –, ehe Sie sich für bestimmte Wörter oder Redewendungen entscheiden.

3. Kalkulieren Sie ein, dass sowohl der Kontext als auch der Tonfall stark mitbestimmend sind, ob zum Beispiel ein vermeintlich „harmloses“ Wort als Beleidung oder Herabsetzung erlebt werden kann oder nicht. Beispiel: In einem harmonischen Gespräch über verschiedene Herkunftsländer äußert jemand erstaunt. „Ach, Sie sind Inderin? Das ist ja interessant!“, nachdem sich die Angesprochene selbst als solche dargestellt hat. Diese Äußerung wird sie vermutlich nicht so negativ einstufen wie etwa einen Satz mit abfälligem Unterton: „Na, ja, Sie sind eben Inderin!“

4. Vermeiden Sie von vornherein Wörter, die von vielen als diskriminierend eingestuft oder empfunden werden, etwa „Asylanten“ oder „Behinderte“. Besser ist es, von „Asylsuchenden“ und „Menschen mit Behinderung“ zu sprechen. Auch der gedankenlose Gebrauch von Floskeln wie: „Na, das ist ja wohl stark getürkt!“, „Seid ihr etwa wieder die halbe Nacht herumzigeunert?“, „Das sieht doch ein Blinder mit ’nem Krückstock!“, „Ey, mach das gefälligst selbst, ich bin doch nicht dein Neger!“ unterbleibt auf jeden Fall.

5. Berücksichtigen Sie, dass auch Gesten abwertend und diffamierend sein können. Vermeiden Sie deshalb, bitte, auch unbedacht oder gar wissentlich praktizierte provozierende Gebärden.

6. Reflektieren Sie die Gefahr, die darin liegt, einer ganzen Gruppe von Menschen – DIE Frauen, DIE Männer, DIE Schwulen, DIE Flüchtlinge, DIE Sinti und Roma zum Beispiel – Pauschalurteile überzustülpen. Diese sogenannten Stereotype sind meist Auslöser von Fehl- und Vorurteilen. Geben Sie besser jeder einzelnen Person die Chance, von Ihnen mit ihren tatsächlichen Qualitäten, Vorzügen und Eigenheiten sowohl erkannt als auch anerkannt zu werden.

7. Wirken Sie dem Trend entgegen, einen Menschen oder ganze Personengruppen aufgrund medialer Berichte vorzuverurteilen. Je weiter verbreitet oder reißerischer diese sind, umso schwieriger wird das. Gerade deshalb sollte der Grundsatz der Unschuldsvermutung, der eine besondere Ausprägung des Rechtsstaatsprinzips ist, auch im „ganz normalen Alltag“ von allen respektiert und praktiziert werden.

8. Verdeutlichen Sie sich, dass es viele unterschiedliche Diskriminierungsmöglichkeiten gibt. Auch wenn das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz Benachteiligungen nur verbietet, soweit sie an eines der folgenden personenbezogenen Merkmale anknüpfen: ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion und Weltanschauung, Behinderung, Alter und sexuelle Identität. Oft beginnt Diskriminierung schon bei vermeintlich „kleinen, harmlosen“ Späßen wie dem Erzählen eines Blondinen-Witzes im Beisein einer hellhaarigen Frau. Unter Jugendlichen und Kindern reicht es für herabsetzendes und demütigendes Verhalten in vielen Fällen schon aus, wenn nicht die „Gerade-in-Klamotten“ getragen werden oder aufgrund der ökonomischen Herkunft weder das neueste „coole“ Smartphone noch andere modische Accessoires angeschafft werden können. Um solches zu verhindern, ist die Vorbildfunktion aller Erwachsenen gefragt.    

9. Seien Sie sich bewusst, dass wertschätzendes Verhalten mehr ist und tiefer geht, als ausschließlich kleine Höflichkeits-Gesten zu zeigen. Dazu zählt unter anderem erstens, alles zu vermeiden, was ein Mensch als Diskriminierung empfinden könnte. Zweitens, was zunehmend wichtiger wird, dies über das eigene Tun hinaus auch anderen nahezubringen.  

Wertschätzende Großschreibung beim „Du“ in allen Mitteilungen

Seit der letzten Rechtschreibreform – also seit inzwischen Jahren! – gilt sowohl die Klein- als auch die Großschreibung der Anrede- sowie der entsprechenden Possessivpronomen in einem Brief im Du-Stil als richtig. Dennoch ist das nach wie vor offensichtlich weitgehend unbekannt, obwohl die Großschreibung außer in Briefen auch in E-Mails und Kurznachrichten, auf Postkarten und überall, wo es sich um eine direkte Ansprache handelt, empfohlen wird. 

Warum auch sollte lediglich der Mensch, der gesiezt wird, das Recht auf die groß geschriebene Höflichkeitsanrede „Sie“ haben? Die gleiche Wertschätzung können Sie ebenso denjenigen entgegenbringen, mit denen Sie per Du sind, und zwar ohne einen „Dudenfehler“ zu begehen: „Ich wünsche Dir/ Euch …“, „Ich denke an Dich/Euch“, „Grüß, bitte, Deine Schwester von mir“, „Hoffentlich geht es Dir gut!“

Restlos genießen mit der Beste-Reste-Box

„In einem guten Restaurant darum bitten, Essensreste einzupacken? Das ist doch stillos!“ „Nach einer Familienfeier in der Gastronomie übriggebliebene Speisen vom Büffet mit nach Hause nehmen wollen? Wie unhöflich!“ „Danach fragen, ob man mir den Rest vom Schnitzel, den ich beim besten Willen nicht mehr runterkriege, mitgeben kann? Einfach nur peinlich!“ Solches Denken hat Jahrzehntelang in vielen deutschen Köpfen stattgefunden. Dass es sich ändert, ist im Sinne des respektvollen Umgangs mit Lebensmitteln wünschenswert.

Um das zu erleichtern, ist die Initiative „Restlos genießen“ mit Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft gestartet worden. Sie soll unter anderem dazu verhelfen, dass seitens der Gastronomie das Mitnehmen von übrig gebliebenen Speisen noch aktiver als bisher angeboten wird.

Solange das nicht zum Standard geworden ist, kann jeder Gast seinen Beitrag zur Nachhaltigkeit auf diesem Sektor leisten, indem er einfach um das Mitgeben der Reste bittet. Was in den USA als „doggy bag“ begann – dort übrigens völlig frei von Ressentiments gehandhabt –, kann seinen Siegeszug in Deutschland als „Beste-Reste-Box“ antreten und braucht keine Ausrede mehr wie: „Können Sie mir das, bitte, für meinen Hund einwickeln?“ Ein schlicht formulierter Wunsch wie: „Ich möchte das restliche Gemüse, bitte, mitnehmen“ oder: „Bitte, packen Sie mir die übrig gebliebenen Speisen ein“ zeigt sowohl Höflichkeit als auch die angemessenen Wertschätzung von Lebensmitteln. 

Für Gastgebende einer Feierlichkeit im TANZHAUS werden ohne Mehrkosten "Beste-Reste-Boxen" bereitgestellt.

Essgewohnheiten tolerieren

Ganz gleich, welche Einstellung ein Mensch zu verschiedenen Speisen hat – ob zum Beispiel vegetarisch oder vegan, pro oder anti Fleisch oder Fisch sowie sonstige Ernährungsmodelle: Drei Grundsätze sollten selbstverständlich sein.

Erstens: Offenbart jemand in Gesellschaft bestimmte Vorlieben oder Abneigungen beim Essen, ist es rücksichtsvoll, auf jegliche Nachfrage zu verzichten. Zweitens: Ein Gespräch – oder gar längere Diskussion – darüber in der Runde sollte vermieden werden, sofern es nicht von der betreffenden Person selbst angefangen wird. Drittens: Jeglicher Überredungsversuch, doch wenigstens einmal etwas von dem abgelehnten Gericht zu probieren, unterbleibt.

Das gilt übrigens auch bei Getränken, etwa, wenn Alkohol abgelehnt wird. Wer das beachtet, zeigt seinen Mitmenschen die notwendige Höflichkeit und Wertschätzung.

Die Frauenquote ist auf dem Weg – die Sprache hinkt gewaltig hinterher

Laut neuester Veröffentlichung des Arbeitgeberverbandes BDA zur Steigerung des Anteils der Frauen in Spitzenpositionen, nicht nur von DAX-Unternehmen, gibt es positive Tendenzen. Dennoch sind die selbst gesteckten Ziele für mehr Frauen in Führungsgremien längst nicht erreicht. Vermutlich werden dadurch Bestrebungen verstärkt, verbindliche Zielvorgaben zu erarbeiten. Völlig unabhängig davon, wann mit welcher Quote solches kommt und ob die Meinungen über die Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen auseinandergehen, ist eines Fakt: In der Sprache gibt es noch reichlich Nachholbedarf, was die Präsenz von Frauen angeht.

Zwar hat sich dazu in der letzten Zeit schon einiges entwickelt. So ist es  selbstverständlich geworden, „Frau Bundeskanzlerin“, Frau Ministerin“, „Frau Bischöfin“, „Frau Professorin“ oder „Frau Direktorin“ zu sagen und weitere weibliche Anreden zu verwenden. Selbst die Titulierung „Frau Doktorin“ ist inzwischen weniger fremd als noch vor einigen Jahren. Doch die Zahl derer, die meinen, das alles sei doch lediglich ein völlig überflüssiger Geschlechterkampf in Wort und Schrift, ist nach wie vor groß. Denjenigen sei ans Herz gelegt: Es geht eher um das genaue Gegenteil – um friedliche Koexistenz von weiblichen und männlichen Formen. Dazu kommt: Die Sprache wird klarer und jeder Mensch fühlt sich direkt angesprochen.

Bestrebungen, in aus Frauen wie Männern zusammengesetzten Gruppen auf ausschließlich weibliche Diktion zurückzugreifen, etwa in Grundordnungen, erfüllen dieses Kriterium nicht. Sie sind den Männern gegenüber unhöflich. Mögliche Erklärungen für eine solche Entscheidung, etwa, dass Schrägstrichversionen und Doppelungen lese-unfreundlich seien – was unbestritten stimmt –, sind fehl am Platz. Der Grund: Es gibt vielfältige Möglichkeiten, einen Text ohne (innen), /-innen oder ständige Wiederholungen wie „Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ so zu gestalten, dass er gut lesbar ist und dennoch beiden Geschlechtern die Präsenz und damit die notwendige Wertschätzung zuerkennt. Dazu hier einige Tipps: 

Die 10 wichtigsten Tipps für einen geschlechtergerechten Schreib- und Sprachstil

1. Beweisen Sie Frauen wie Männern Ihre Wertschätzung, indem Sie beide Geschlechter sprachlich erscheinen lassen.

2. Vermeiden Sie Übertreibungen und Fehler. Wortschöpfungen wie „Menschin“, „Kasperin“, „Mitgliederin oder „Kinderinnen“ sind schlechtes Deutsch.

3. Wählen Sie in schriftlichen Anreden stets die ausgeschriebenen Doppelformen. Statt zum Beispiel: „Sehr geehrte/r Kunde/in“ – was zusätzlich ein Duden-Fehler wäre – besser: „Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde“. Die Zweifach-Nennung ist auch bei mündlichen Anreden die wertschätzendste Form, etwa: „Liebe Mitarbeiterinnen und liebe Mitarbeiter.“

4. Entscheiden Sie sich am besten überhaupt nur in Ausnahmefällen für Schrägstrich- oder Klammerversionen, etwa bei Platzmangel in Tabellen.

5. Verwenden Sie so oft es geht geschlechtsübergreifende Begriffe. Beispiele: Angestellte, Team/Teammitglied, Belegschaft/Belegschaftsmitglied, Beschäftigte, Betriebsangehörige, Fachkraft statt „der/die Mitarbeiter“. Vorgesetzte, Führungskraft, Führungspersonen statt „der Chef“ oder „Manager“.

6. Setzen Sie soweit möglich Verlaufsformen ein. Beispiele: Studierende, Gastgebende, Interessierte, Mitarbeitende statt Studenten, Gastgeber, Interessenten, Mitarbeiter.

7. Weichen Sie auf Wörter wie Mensch, Person, Individuum, Gegenüber aus, um geschlechtergerecht zu formulieren.

8. Integrieren Sie weibliche Formen, indem Sie „die oder der“ nutzen. Besonders einfach ist das bei Personenbezeichnungen, die aus Adjektiven und Partizipien abgeleitet sind, wie: die oder der Betroffene, Kranke, andere, Schnellste, Jugendliche, Ältere, Jüngste, Tüchtigste.

9. Greifen Sie dort, wo es ohne Sinnentstellung möglich ist, auf Plural anstelle von Singular  zurück. Beispiele: „Erwachsene sollten wissen …“ statt „Der Erwachsene sollte …“ „Reisende sind gut beraten, wenn …“ statt „Der Reisende ist gut …“ „Geschädigte wenden sich, bitte, an ihre Versicherung mit …“ statt: „Der Geschädigte wende sich …“

10. Umgehen Sie sprachliche Fettnäpfchen wie „weibliche Mitarbeiter“. Was, bitte, soll man sich darunter (oder etwa unter einem „weiblichen“ Fahrer/Kunden/Chef) vorstellen? Sind das Männer, die feminine Züge aufweisen, sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen haben oder in Frauenkleidung daherkommen? Auch Formulierungen wie: „Sie war der erste weibliche Minister“ sollten – das steht sogar in einem Duden – vermieden werden. Ebenfalls unsinnig sind Kombinationen wie „Frauen und ihre männlichen Kollegen sind gleichermaßen …“, „Frauen sollen männlichen Bewerbern gegenüber …“ Sinnvoll sind solche Zusätze nur dann, wenn ein geschlechtsneutrales Wort folgt. Beispiele: „weiblicher Fan“, „männliche Jugendliche“, „weibliche Person“, „männlicher Stargast“. 

Pauschalurteile – „natürliche Feinde“ der Wertschätzung

Eine der größten Störquellen für angenehmen Umgang und gute Kommunikation sind Pauschalurteile, die ungeprüft einer ganzen Gruppe von Menschen übergestülpt werden. DIE Jugend, DIE Alten, DIE aus Bayern (Hessen, Berlin, Sachsen und allen weiteren Bundesländern), DIE BMW-Fahrer (sowie alle anderen Automarken und Fahrerinnen eingeschlossen), DIE Frauen, DIE Männer, DIE Deutschen, DIE Ausländer, DIE …, DIE …, DIE …

Wer hat sich noch nie bei diesem „DIE-Denken“ ertappt? Urteilsschablonen – Stereotype – beruhen meistens auf Erfahrungen mit wenigen oder gar einzelnen Personen, die einer Kategorie angehören. Das führt sehr oft zu Fehl- und Vorurteilen. Stereotype können darüber hinaus wie ein „Filter“ wirken, der nur noch das an Wahrnehmung durchlässt, was ins vorgefertigte Image passt. Die tatsächlichen Qualitäten von Menschen werden dadurch verkannt und es wird vergessen, dass es in jeder Gruppe „sone und solche“ gibt.

Für einen erfreulichen und problemlosen Umgang miteinander ist es unerlässlich, sich von solchen Pauschalurteilen zu lösen. Zeigen Sie jedem Menschen Ihre Wertschätzung neben anderem dadurch, dass Sie ihm die Chance geben, als Einzelwesen erkannt und geschätzt zu werden.

Phubbing – Unhöflichkeit hat einen neuen Namen

„Phubbing“ ist eine Wortkombination aus „phone“ (Telefon) und „snubbing“ (vor den Kopf stoßen). Gemeint ist damit die ständige Beschäftigung mit dem Smartphone oder Handy wie das Lesen und Schreiben von SMS, das Checken von E-Mails und Facebook-Nachrichten, das Telefonieren, sich in Netzwerken tummeln und weitere mögliche Aktionen im Internet, während eine Person mit anderen in einer Situation zusammen ist, in der zwischenmenschliche Kommunikation vor der Erfindung dieser Geräte selbstverständlich war.

Die neue Wortschöpfung beweist: Viele empfinden ein solches Verhalten als brüskierend (snub = über den Mund fahren, brüskieren) und sind davon genervt. Verständlicher Weise, denn die unterschwellige, doch eindeutige Botschaft ist. „Du, Mensch mir gegenüber (oder ihr, Menschen um mich herum), verdienst meine Aufmerksamkeit gar nicht, bist für mich völlig unwichtig.“ Klarer kann Missachtung kaum dargestellt werden.

Zeigen Sie deshalb besser Ihren Mitmenschen, dass Sie sie (be-)achten und wertschätzen, indem Sie in entsprechenden Konstellationen die Wichtigkeit von Smartphone & Co. hintenan stellen und Ihre Aufmerksamkeit denen schenken, die sich in Ihrer Gesellschaft befinden. Vielleicht entwickelt sich dann bald ein weiterer neuer Begriff: Phrespecting – zusammengesetzt aus „phone“ (Telefon) und „respecting“ (respect = achten, respektieren).   

Gute Umgangsformen wiegen nichts – und haben doch Gewicht!

Manche Reisende scheinen zu meinen, dass es ihr Gepäck erleichtert, wenn sie ihre guten Umgangsformen zuhause lassen. Doch Urlaubsstimmung ist kein Grund, sich schlecht zu benehmen. Auch in Feriengebieten sind Rücksichtnahme und Wertschätzung gefragt – und zwar sowohl anderen Gästen als auch den dort Ansässigen sowie Tätigen gegenüber! So sollte es selbstverständlich sein, sich bei Fernreisen über Gepflogenheiten und Sitten des Gastlandes zu informieren und auf sie Rücksicht zu nehmen. Wer das nicht will, wählt besser ein anderes Reiseziel. Einige Worte in der Landessprache zu lernen, beweist die Wertschätzung den Einheimischen gegenüber. „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Bitte“ und „Danke“ sowie „Entschuldigung“ bilden die Basis für einen „touristischen Schnellkursus“, der bei besonders komplizierten Sprachen gern auch auf einem Zettel parat gehalten werden kann.

Hüllenlos an Urlaubs-Stränden?

Nacktheit am falschen Ort ist rücksichtslos und lässt die notwendige Wertschätzung anderen Menschen gegenüber vermissen. Deshalb sollten die Hüllen nur an ausgewiesenen FKK-Stränden fallen. „Oben ohne“ für Frauen ist nur dort angebracht, wo es die Landes- oder Hotel-Sitten zulassen. Höflichkeit bedeutet in diesem Fall: Auf das Schamgefühl, die Moralvorstellungen und besonders auf glaubensbedingte Gepflogenheiten anderer Menschen Rücksicht zu nehmen. Und zwar unabhängig davon, ob Nacktheit mit Strafen belegt ist oder nicht. Die individuelle Freiheit endet dort, wo die Grenzen und Gefühle anderer verletzt werden.

Von „Alt-Bundespräsidenten“ und „Ex-Kanzlern“

Solche und ähnliche Bezeichnungen sind in der Presse sehr oft zu sehen und in verschiedenen Medien zu hören. Doch genau genommen sind das Wortschöpfungen, die es offiziell gar nicht gibt. Die korrekten Bezeichnungen lauten:
Bundespräsident/Bundespräsidentin a. D., Bundeskanzlerin/Bundeskanzler a. D. – wobei die Abkürzung für „außer Dienst“ steht.

Diese erscheint im Schriftverkehr allerdings nur in der Adresse und in einer Einladungskarte. In der Anrede – mündlich wie schriftlich – wird sie weggelassen. Dadurch tauchen immer wieder Fragen auf, wie solche Ehemaligen angesprochen werden. Oft herrscht die Meinung, ihnen stünde bis ans Lebensende die Anrede wie zu ihrer Amtszeit zu. Das würde zum Beispiel für die Anrede „Herr Bundespräsident“  bedeuten, dass zurzeit sechs Herren so anzureden wären – der amtierende sowie fünf noch lebende „a. D.s“.

Da dies nur Verwirrung stiftete, steht die Anrede „Herr Bundespräsident“ ausschließlich dem Amtierenden zu. Ehemalige können nach dem Beamtenrecht beanspruchen, weiterhin mit der Amtsbezeichnung angesprochen zu werden. In diesem Fall wird der Nachname dazugesetzt. Das gilt ebenso für einen Bundeskanzler a. D. und andere ehemalige hohe Amtsträger. Hat jemand nach Ende seiner Amtsperiode eine neue Funktion mit einem anredefähigen Titel, wird dieser verwendet.

Wem „gehört“ die Sitzlehne im Flugzeug?

Bei vielen Dingen, die sich Menschen in der Öffentlichkeit zu teilen haben gilt das ungeschriebene Gesetz, dass unter Fremden in der Öffentlichkeit „halbe-halbe“, und zwar „rechts-links“, geteilt wird. Beispiele: Restauranttisch, Ablage in einem Badezimmer, etwa im Krankenhaus, Schreibtisch, Schultisch. Anders ist es bei Sitzlehnen – im Flugzeug oder beispielsweise im Theater. Diese werden besser entweder „vorne-hinten“ geteilt oder es wird ein Arrangement getroffen, was sowohl nonverbal als auch mit Worten geschehen kann.

„cc“- E-Mails – erst denken, dann senden

Welche unangenehmen Folgen es haben kann, wenn eine E-Mail an einen großen Verteiler verschickt wird, wurde vor Kurzem eindrucksvoll im Deutschen Bundestag belegt. Dort war der komplette E-Mail-Verkehr für Stunden lahm gelegt, weil eine Mitarbeiterin aus Versehen den Gesamtverteiler eingesetzt und dies vor dem Versenden nicht bemerkt hatte.  

Ganz unabhängig von dieser Extrem-Situation: Der Unmut, zu Beginn eines jeden Arbeitstages viel Zeit mit dem Sichten von völlig überflüssigen oder unwichtigen E-Mails zu verlieren, wächst ständig. Und das in allen Hierarchiestufen. Oft ist es ein Sicherheitsdenken, das Beschäftigte dazu bringt, fast alles, was sie versenden, in Kopie an alle im Team oder gar darüber hinaus zu verschicken. Die Begründung lautet dann: „So kann niemand  sagen, er habe nichts vom den Vorgang gewusst, auch nicht meine Vorgesetzten.“ Gerade Letztere sehen sich oft gezwungen, der Flut von „cc“-E-Mails Einhalt zu gebieten. Ob sie dazu technische Hilfen in Anspruch nehmen, wie farbliche Markierungen oder Regeln anwenden, die eingegangene „cc“-Mails direkt in dafür vorgesehen Projekt-Order verschieben: Wertvolle Arbeitszeit geht beim letztendlich dennoch notwendigen Sichten trotz allem verloren.

Deshalb sind alle gebeten, den Empfängerkreis auf diejenigen zu beschränken, die direkt in das Projekt oder in laufende Entscheidungen eingebunden sind.

Außerdem vereinfacht es die E-Mail-Kommunikation, wenn sich alle einige Grundregeln zum „cc“-Versand bewusst machen. Eine davon besagt: Wer von jemandem eine Antwort erwartet, setzt diesen stets in die Empfängerzeile Das gilt auch dann, wenn es sich um mehrere Personen handelt. Das Einsetzen in die „cc“-Zeile dokumentiert automatisch: keine Antwort nötig/erwartet.  Letzteres kann beim Versand an eine einzelne Person bereits durch einen aussagefähigen Betreff wie „Nur zur Kenntnis/Info“ deutlich gemacht werden. Auch das erleichtert den Arbeitsablauf sehr.

Fünf weitere Tipps für den geschäftlichen E-Mail-Versand

1. Kontrollieren Sie vor dem Versenden nicht nur die Adresse und den Verteiler. Prüfen Sie im Falle eines Anhangs/mehrerer Anhänge auch, ob diese richtig gewählt wurden. Finden sich bei einer geschäftlichen E-Mail aus Versehen Urlaubsfotos oder Privates, hinterlässt das unter Umständen einen schlechten Eindruck oder kann sogar peinlich sein. Das gilt ebenso, wenn bei weitergeleiteten E-Mails vergessen wurde, alte Texte daraufhin zu prüfen, ob sie für die Augen Dritter geeignet sind. 

2. Verwenden Sie einen „cc“-Verteiler nur bei Gruppen oder Teams, in denen sich alle kennen. Wählen Sie sonst besser den „bcc“-Versand. Der Grund: Bei Vielen stößt es auf Unmut, wenn ohne ihr Einverständnis ihre Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe – etwa Kundenkreis – für Fremde erkennbar wird. Mindestens ebenso groß ist der Kreis derer, bei denen eine für alle lesbare E-Mail-Adresse aus Gründen des Datenschutzes unbeliebt ist.

3. Verfassen Sie offizielle Geschäftsschreiben auch dann in korrekter Rechtschreibung, mit entsprechender Zeichensetzung sowie lesefreundlicher Aufteilung wie angemessener Zeilenschaltung, wenn Sie diese statt von Ihrem festen Arbeitsplatz von unterwegs versenden. Ein entsprechender Hinweis ist kein Freibrief für Fehler oder Nachlässigkeiten. Wenn Ihnen das Eintippen zu mühsam erscheint, beschränken Sie sich in unaufschiebbaren Fällen auf eine kurze Nachricht, in der Sie den nachfolgenden kompletten Brief ankündigen.

4. Ganz gleich, von welchem Gerät verschickt: Eine höfliche E-Mail braucht sowohl eine passende Anrede als auch ebensolche Grüße. Die Ausnahme davon bleibt es nach wie vor, wenn eine (Arbeits-)Gruppe in ständigem Kontakt steht, der einem Gespräch ähnelt.

5.  Vermeiden Sie Abkürzungen, besonders in der Anrede und bei den Grüßen sowie solche, die nicht allgemein verständlich sind. Verzichten Sie in Geschäftsbriefen an relativ fremde Personen auch auf Emoticons. Nur zwischen recht Vertrauten, etwa gut bekannten Kolleginnen oder langjährigen Geschäftspartnern, zwischen denen sich ein privater Kontakt entwickelt hat, eignen sich solche Beigaben. Ansonsten wirken sie unprofessionell.

Sie haben gefälligst zurückzumailen!

Wenn eine E-Mail keinerlei weitere Kontaktmöglichkeit enthält, ist die Empfangsperson dazu gezwungen, auf diesem Weg zu reagieren. Besonders, wenn es um Auskünfte oder Erklärungen geht, von denen ausschließlich der fragende Mensch einen Nutzen hat, ist dieser Zwang zu einer schriftlichen Antwort rücksichtslos. Vielleicht möchte jemand die Information viel lieber telefonisch übermitteln, um Zeit zu sparen, was durch die Suche nach der Telefonnummer bereits wieder zunichte gemacht würde.

Deshalb ist es höflich, eine weitere Kontaktmöglichkeit anzugeben. Im privaten Bereich ist dies lediglich unter Bekannten, im Freundeskreis sowie unter Familienmitgliedern überflüssig. Schreibt eine Privatperson zum Beispiel an Firmen, Ämter oder Institutionen, gehört wie im Geschäftsleben die Signatur mit mindestens einer Telefonnummer sowie der kompletten Adresse zu jeder E-Mail.

(Quelle: Die aktuellen Empfehlungen des Gremiums
„Arbeitskreis Umgangsformen International“ (AUI), Herbst 2011)

Smartphone & Co. – smarter Umgang erwünscht

Beitrag von Inge Wolff
Vorsitzende Arbeitskreis Umgangsformen International
Präsidentin Umgangsformen-Akademie Deutschlands e. V.

Bereits für die alte Generation der Mobiltelefone gilt: Legen Sie Ihr Handy nicht auf den (Schreib-) Tisch, wenn Sie mit jemandem im Gespräch sind. Das signalisiert: Ich bin jederzeit bereit, die Unterhaltung mit Ihnen (dir) zu unterbrechen. Die unterschwellige, aber eindeutige Botschaft: Sie sind (du bist) mir unwichtig. Unterbrechen Sie kein Gespräch – auch nicht den Blickkontakt –, um Ihr Handy hervorzuholen und eine eingegangene SMS zu lesen oder eine zu schreiben. Beides hat den gleichen negativen Effekt; Letzteres selbst dann, wenn der Blickkontakt beim Eintippen gehalten wird.

Genauso unhöflich ist es, in einem Gespräch die vielfältigen Möglichkeiten zu nutzen, die Ihnen ein Smartphone, andere Tablet-PCs oder weitere internetfähige Geräte, etwa ein iPad, bieten. Zeigen Sie Ihrem Gegenüber Ihre Wertschätzung, indem Sie darauf verzichten, sich während der Zeit des Gesprächs um soziale Netzwerke zu kümmern, im Internet zu surfen, E-Mails zu lesen oder zu schreiben, „nebenher“ ein Video oder Musik laufen zu lassen oder gar Ihre Aufmerksamkeit einem Spiel zu widmen. Nutzen Sie das Internet nur dann, wenn es allen in der Gesprächsrunde von Nutzen ist, dass Sie dort eine Information suchen, und Sie darum gebeten werden. Wollen Sie als Gedankenstütze Gesprächsinhalte eintippen, fragen Sie vorher, ob das für andere in Ordnung ist.

Weitere Veröffentlichungen des A.U.I. finden Sie hier.